Essen und Trinken im Spätkapitalismus
26.1.2023 ∙ Gummibärchen
Vegan, klimaneutral, fair und im Familienun
ternehmen produziert, das steht auf der Tü
te. Geht es darum, durch angemessene
Ernährung kulturelle Überlegenheit zu beto
nen oder darum, im Kleinen die Welt zu ret
ten? Und wer kann sich das leisten? Wer
kauft im „Unverpackt“Laden, wer bekommt
abgepackten Käse und vorgeschnittenes
Graubrot vorgesetzt? Wir diskutieren in der
Veranstaltung ausgehend von einer Gummi
bärchentüte, welche Aspekte globaler sozia
ler Gerechtigkeit beim bewussten Konsum
von gutem Essen betont und welche ausge
blendet werden. Davon ausgehend spre
chen wir darüber, welche Perspektiven für
sozialen Wandel sich daraus ergeben. Zu
gespitzt: Hilft die Konsumkritik den Ver
dammten dieser Erde oder vor allem denen,
die für deren Lage verantwortlich sind? Dar
über sprechen wir bei großen und kleinen
Gummitieren.
23.2.2023 ∙ Avocado & Quinoa
Der Mexikanische Bundesstaat Michoacan
ist Anbaugebiet für Avocados, einer Frucht,
die in Deutschland immer beliebter wird. Mit
Folgen: In Michoacan haben Drogenprodu
zenten Avocado als Geschäftsbereich er
schlossen und ordnen den Markt mit
Gewalt. Eine andere Art Enteignung dreht
sich um Quinoa. Ursprünglich eine identi
tätsstiftende Pflanze für Indigene des An
denraums, ist Quinoa heute ein
LifestyleProdukt für die urbanen Mittel und
Oberschichten des globalen Nordens. So
wohl gegen die Drogenbanden wie auch ge
gen die fortgesetzte Aneignung indigenen
Wissens regt sich Widerstand. Die linken
Regierungen von Bolivien und Ecuador sind
mit dem Versprechen des „Buen Vivir“ und
der Stärkung der autonomen Rechte der In
digenen angetreten. Welche Antworten bie
tet das für die fortgesetzte Ausbeutung und
Enteignung? Wir diskutieren das bei Avoca
docreme und TortillaChips.
2.3.2023 ∙ Tee
Tee ist die Kolonialware par excellence: Aus
China nach Europa importiert, im 19. Jahr
hundert von der britischen Kolonialmacht in
Indien kultiviert, steht die Pflanze wie kaum
eine andere für koloniale und neokoloniale
Ausbeutung. Anders als beim Kaffee gibt es
wenig Direktimport, wenige Kollektivbetrie
be, wenig Bewusstsein dafür, dass man sich
beim Teegenuss eine jahrhundertelange
Geschichte der Unterdrückung verlässt. Bio
Tees versprechen zumindest, dass die
Landarbeiter*innen sich nicht mit Pestiziden
vergiften, andere LebensmittelLabels sollen
bezeugen, dass verlässliche und existenzsi
chernde Löhne gezahlt werde. Die Glaub
würdigkeit der Versprechen ist umstritten.
Nach einem Input zu den Produktionsbedin
gungen trinken wir trotzdem eine schöne
Tasse Tee und sprechen abschließend dar
über, wie wir Essen und Trinken im Spätka
pitalismus gestalten können und wollen.
Zeit und Ort: jeweils 19.30 in der
Offenen Arbeit Erfurt